Intelligente Ampeln, Kreisel oder selbständige Mobile?

Der FDP.Die Liberalen ist die Mobilität für alle sehr wichtig, wohlverstanden das Vorwärtskommen und nicht das Stehenbleiben. Nachdem das zu grosse Verkehrsaufkommen, vor allem auch in und um die Region Sursee immer viel diskutiert wird, lud die FDP.Die Liberalen Wahlkreis Sursee zu einem Podium ein, um das Thema Verkehr, Mobilität und die Zukunft zu beleuchten. Die Verantwortlichen von Kanton und der Region sowie Fachleute aus Industrie und Velo stellten ihre Sichtweisen und Lösungsansätze dar.

Patrick Abegg, Mobilitätskoordinator beim Kanton Luzern informierte über verschiedene Planungsinstrumente und die Vorgehensweise, welche der Kanton anwendet, um Antworten, Szenarien und Zukunftskonzepte zu entwickeln. Über die Umsetzungsplanung entscheidet das Parlament.

Bisher arbeitete der Kanton mit einem Bauprogramm über 4 Jahre, in welchem die Planung für den Bau und die Sanierungen der Kantonsstrassen enthalten waren. Im Velokonzept zeigt er die Planungen für die Velowege auf und im ÖV-Bericht jene des öffentlichen Verkehrs. Der Planungsbericht Zukunft Mobilität Luzern – ZuMoLu – legt die Ziele und die grundlegenden langfristigen und strategischen Stossrichtungen zur zukünftigen Mobilität innerhalb des Kantons Luzern fest. Dieser Planungsbericht soll vom Kantonsrat noch in dieser Märzsession verabschiedet werden. Er wurde unter der Federführung des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements in einer breit abgestützten Projektgruppe erarbeitet. In Zukunft möchte der Kanton jedoch nur noch ein Planungsinstrument bezüglich der verschiedenen Fortbewegungsmöglichkeiten. Eine nicht leichte Aufgabe, die verschiedenen Bedürfnisse, Ausgangslagen, Ziele und Anliegen zusammenzuführen. Der Kanton will in den Arbeitsgruppen möglichst alle Interessensvertreter haben, damit eine gute Auslegeordnung ausgebreitet werden kann um dann gemeinsam tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Es ist allen klar, dass die Herausforderungen gross und die Anforderungen zum Teil widersprüchlich sind. Die Bevölkerungsentwicklung, die Verdichtung, der Bedarf an Arbeits- und Freizeitmobilität, das Wachstum und die Wirtschaftsentwicklung. Alle diese Bereiche haben ihre Berechtigung und Anforderungen.

Gregor Schwegler, Kantonsingenieur und Dienststellenleiter Verkehr und Infrastruktur erklärte kurz die Funktionsweise, unterstützt durch einen erklärenden Film, der intelligenten Ampeln, welche im letzten Herbst etwas Aufruhr erzeugt haben. Im Unterschied zu herkömmlichen Lichtanlagen entscheide eine intelligente Ampel von Sekunde zu Sekunde neu, ob die Ampeln auf Grün oder Rot schalten soll, damit der Verkehrsfluss möglichst optimal ist. Es würde noch etwas dauern, bis sie einsatzbereit seien. Etwa im Jahr 2032 könnte es so weit sein. Er versprach, dass der Kanton künftig ein grösseres Augenmerk auf die Kommunikation lege, um Missverständnisse zu verhindern.

Was die aktuellen Trends sind, und die Zukunft bringen soll, zeigte Frank Böhmerle, CTO Amag, auf. Er erwartet in den nächsten 10 Jahren eine sehr grosse Veränderung. Der motorisierte Individualverkehr werde nochmals etwa um 18. % steigen und die Unterschiede zwischen den urbanen und den ländlichen Gebieten würden grösser werden. Die Zukunft werde elektrisch und der Anteil an elektrischen Fahrzeugen würde auf 90 % steigen. Dazu hat sich AMAG vorbereitet und diversifiziert. Die Zukunft sei, Mobility as a Service anzubieten. Überrascht hat, dass die Amag bereits ein autonomes Fahrzeug testweise im Einsatz hat. Es zirkuliert zwischen der Mall of Switzerland und dem Schindlerkonzern in Ebikon und transportiert die Onlineeinkäufe der Schindler Mitarbeiter.

Beat Lichtsteiner, Geschäftsführer des Entwicklungsträgers ret Sursee Mittelland führte die Herausforderungen rund um Sursee aus verschiedenen Sichtweisen dar. Die Resilienzen bezüglich des Verkehrs seien am Schwinden und bei kleinen Ereignissen stocke es sofort. Bei den Stosszeiten blieben alle im Verkehr hängen, auch der ÖV und für die Fussgänger sei das Durchkommen schwieriger. Die Wahrnehmung von viel Verkehrs sei auch individuell. Ein Augenmerk müsse man auf die Verkehrsknoten richten. In Zukunft gebe es viele Bereiche, an die gedacht und die geändert werden müssten. Die Entwicklung der Arbeitsplätze vermehrt mit Homeoffice planen, das dörfliche Leben solle wieder mehr stattfinden, wie z.B. im Dorf einkaufen. Es ist eine koordinierte Betrachtung  von Siedlung und Verkehr zu planen um überall eine gute Aufenthaltsqualität zu garantieren, es sind vermehrt die Verkehrsmittel zu kombinieren – wie zu Fuss, mit Velo, mit Auto und im ÖV. Im urbanan Raum werde die Bedeutung vom Auto weiter schwinden, auf der Landschaft werde es eine gewisse Berechtigung behalten.

Nach dem Podiumsgespräch, geführt von Martin Birrer, an welchem auch der Vertreter von Pro Velo, Benjamin Sawicki teilnahm, stellten die Teilnehmer zahlreiche, interessante Fragen und Statements: Es interessierte, warum nahe den Kreiseln immer Fussgängerstreifen eingerichtet sind und diese den Verkehrs zusätzlich drosseln, warum die Unterführungen zu wenig genutzt würden, warum es keinen zügigen Ortsbusses gäbe, warum die Chancen von Sursee nicht besser genutzt würden, den Verkehrs besser zu leiten, da die Industrie und der Siedlungsraum gut getrennt seien, wie die Entwicklung des Velos mehr Möglichkeiten bieten würde, auch die regionalen Busverbindungen optimiert werden könnten und insbesondere die Busse für Senioren oder Menschen mit Beeinträchtigung besser nutzbar würden.

Nach all den vielen interessanten Fragen gab es auch das Eingeständnis, dass viele Ideen und Projekte auch an den finanziellen Möglichkeiten scheitern würden. Die Herausforderungen bleiben bestehen. Nach dem Podiumsgespräch lud der Wahlkreispräsident Roland Häfeli zu einem Umtrunk und angeregten Gesprächen mit Teilnehmern und den Experten ein.